10 Tipps zur Verbesserung Ihrer Wildtier-Fotografie

  1. Mit der Ausrüstung vertraut sein

  2. Bereit sein (technisch und mental)

  3. Verhalten der Tiere kennen

  4. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein

  5. Respekt gegenüber der Natur und den Tieren

  6. Klare Aussage - Mit der Distanz spielen

  7. Bewusster Einsatz von Perspektive und Hintergrund

  8. Jedes Tier ins Beste Licht setzen

  9. Geduld ist keine Tugend ... es ist eine Notwendigkeit

  10. Geniessen

1. MIT DER AUSRÜSTUNG VERTRAUT SEIN

Das klingt nach dem größten Klischee? ... Aber Sie wissen, dass es für die Tierfotografie wahr ist. Die wirklich großartigen Aktionen im Tierreich dauern meiner Erfahrung nach zwischen 1 bis höchstens rund 20 Sekunden. Wenn Sie mit den Einstellungen Ihrer Kamera oder den Fähigkeiten des von Ihnen gewählten Objektivs nicht vertraut sind, werden Sie entweder den Moment verpassen oder die Bilder, die Sie aufnehmen können später mit entsprechender Wehmut löschen. 

 

Wissen Sie, mit welcher minimalen Verschlusszeit Sie mit Ihrer Kamera / Objektiv-Kombination ein scharfes Bild erzielen können?

Kennen Sie die zusätzlichen Möglichkeiten, die Ihnen die Stabilisierung in der Kamera oder im Objektiv bietet?

Wissen, wie man schnell zwischen Fokuspunkten oder Fokusmodi wechselt?

Wissen Sie, wie hoch Sie mit den ISO-Einstellung Ihrer Kamera gehen können um dennoch akzeptable Ergebnisse erzielen zu können?

 

Natürlich sind Ihnen je nach Ausrüstung früher oder später Grenzen gesetzt. Aber die beste Ausrüstung bringt Ihnen wenig, wenn Sie damit nicht umzugehen wissen.

TIPP:

Suchen Sie in ruhigen Zeiten im Internet nach Tutorials oder besuchen Sie einen Fotokurs um die Möglichkeiten und Grenzen Ihrer Ausrüstung kennen zu lernen und dann heisst es Ausprobieren, Üben, Dranbleiben. 

2. BEREIT SEIN ( technisch und mental)

Oft fotografiert man zwischen den Tiebeobachtungen noch anderes. Die Ausrüstung und die Einstellungen werden für Landschaften, Personen- oder Nachtaufnahmen usw. angepasst. Deshalb ist es unabdingbar die Einstellungen der Kamera für die Tierfotografie frühzeitig zu überprüfen und sich zu vergewissern, ob das nötige Zubehör wie Speicherkarte usw. dabei ist.

 

Beim Start zur Tierfotografie (Safari) sollte die Kamera mit entsprechendem Objektiv immer so eingestellt sein, dass man jederzeit bereit ist, ein bewegliches Motiv scharf fotografieren zu können. 

Oft sind interessante Aktionen und spannende Situationen mit Wildtieren unvorhersehbar und überraschend. Genauso schnell sind sie wieder vorbei, wie hier der Kampf zwischen zwei Nilpferden in Kenia.

Eine mögliche Einstellung, welche sich für mich in diesen Situationen bewährt hat, ist:  Manueller Aufnahmemodus (M) mit frei wählbarer Blende und Verschlusszeit und ISO-Automatik. Bei der Blende wähle ich eine möglichst offene Blende (kleine Blendenzahl) und dazu eine schnelle Verschlusszeit (mindestens 1/1000). Die ISO-Automatik sorgt nun dafür, dass das Bild jederzeit richtig belichtet ist, bis die maximale ISO Zahl erreicht ist. Diese muss vorgängig im Kameramenü unter ISO-Empfindlichkeits-Einstellungen eingestellt werden. Wichtig zu wissen ist natürlich, wie hoch Sie mit den ISO-Einstellung Ihrer Kamera gehen können um dennoch akzeptable Ergebnisse erzielen zu können.

Weiter ist bei der Kamera der kontinuierliche Autofokus ( Nachführ-Autofokus) und die Serie - Bildaufnahme einzustellen.  

Wenn Sie auf Motive treffen die sich nicht bewegen oder zwischendurch ein Landschaftsfoto machen wollen haben Sie in der Regel genügend Zeit, die Einstellungen anzupassen.

 

TIPP

Rechne immer damit im nächsten Moment das Bild Deines Leben schiessen zu können - dann bist Du auch mental bereit. 

3. VERHALTEN DER TIERE KENNEN

Es versteht sich von selbst, oder? Da ein Großteil der Tierfotografie auf der Erfassung flüchtiger Momente basiert sprich: festhalten interessanter Aktionen, lohnt es sich, das Verhalten Ihres Motivs möglichst präzise vorauszusehen. Dies  kann nicht bei jeder Tierart gut gelingen, aber es gibt Verhaltensmuster, die tief verankert und bekannt sind. Wenn Sie Ihr Motiv kennen, kann dies den Unterschied ausmachen, ob Sie darauf vorbereitet sind, diesen „goldenen Moment“ festzuhalten, oder ob Sie ihn qualvoll an Ihnen vorbeifliegen sehen. Es gibt nur einen Weg, Wildtiere kennenzulernen… ihr verhalten aus Büchern/dem Internet zu studieren sowie Zeit mit ihnen zu verbringen. Viele Wasservögel werfen zum Beispiel den gefangenen Fisch später in die Luft um ihn zwischen den Schnabel zu bekommen, so wie dieser Marabu-Storch. Wenn man dieses Verhalten kennt und wie unter Punkt 2 beschrieben bereit ist, gelingen solche Aufnahmen. Doch bleiben Sie nicht nur ein paar Minuten und suchen Sie das nächste Motiv, wenn das, was Sie beobachten oder fotografieren, das gewünschte Ergebnis nicht zeigt. Beobachten Sie. Warten Sie. Dies hängt auch mit der Geduld zusammen, auf die ich später noch näher eingehen werde.

TIPP

Bei Wildlife Aufnahmen die Aufnahmebetriebsart immer auf Serie-Bildaufnahme stellen und entsprechende Serien schiessen. Die besten Aufnahmen können sie später am Computer auswählen. 

4. ZUR RICHTIGEN ZEIT AM RICHTIGEN ORT

Natürlich braucht es Glück, um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Aber wenn ich grundsätzlich zur falschen Tageszeit und am falschen Ort unterwegs bin, wird mir das Glück mit grösster Wahrscheinlichkeit kaum zuteil. 

Nutzen Sie die Stunden des goldenen Lichts! Gerade in heißen Regionen wie beispielsweise im südlichen Afrika zeigen sich die meisten Tiere entweder in den Morgenstunden oder am späteren Nachmittag. Wenn die Temperaturen erträglich sind steigen die Tiereaktivitäten und die Lichtverhältnisse sind für tolle Bilder zu dieser Zeit am besten.

 

Beim Fotografieren geht es nur um das Malen mit Licht. Entsprechend müssen Sie wissen, wie Sie das Licht in der Tierfotografie optimal nutzen können. Oft befinden wir uns in einer Position, in der das Licht nicht ideal ist oder die Stimmung wunderschön und das Licht perfekt ist, aber aus der falschen Richtung kommt... und wir sind auch nicht immer in der Lage, uns an einen besseren Ort zu bewegen. Die gute Nachricht ist, dass Licht aus der falschen Richtung einem Bild viel Stimmung verleihen kann. Es ist schwierig, ins Licht zu schießen, aber wenn Sie sich an Tipp 1 (Kennen Sie Ihre Ausrüstung) halten, können Sie  auch aus einer nicht idealen Lichtposition interessante Bilder erhalten, wie untenstehende Beispiele von Oryxantilopen und Giraffe im Gegenlicht zeigen.

TIPP

Für das Aufspüren und Fotografieren von Vögeln und Wildtieren lässt man sich mit Vorteil von einem lokalen  Guide führen, bestenfalls in einer speziellen, eventuell individuellen Fototour.  Lokale Führer kennen ihre Gebiete,  deren Bewohner und ihr Verhalten sehr genau und wissen, wer wann wo zu finden ist. 

5. RESPEKT GEGENÜBER DER NATUR UND DEN TIEREN

 

Ethik ist ein Teilbereich der Philosophie, der sich mit den Voraussetzungen menschlichen Handelns und seiner Bewertung befasst – praktische Philosophie also. Ethische Überlegungen und Normen prägen (sollten sie zumindest) unseren Umgang miteinander, aber auch unseren Umgang mit der uns umgebenden Natur. Somit ist selbstverständlich auch die Naturfotografie kein „ethikfreier Raum“.

Tierwohl geht vor 

Abgesehen von gesetzlichen Bestimmungen gilt beim Fotografieren von Tieren: „Das Tier bestimmt, was geht.“ Die Interpretation des Verhaltens der fotografierten Tiere setzt fundierte Arten- und Verhaltenskenntnis voraus (z. B. Kenntnis von Übersprungverhalten, Stresserscheinungen, Fluchtdistanzen).

In der Natur zu Gast

Naturfotografen verstehen sich als Gast in der Natur – das Eindringen in den Lebensraum des Tieres soll mit Rücksicht und Abstand geschehen und  möglichst keine Spuren hinterlassen werden.

6. KLARE AUSSAGE - MIT DER DISTANZ SPIELEN

 

Ich liebe es Detailaufnahmen zu machen.. und ich meine solche, in denen wirklich das Detail sichtbar wird. Gehen Sie in die Nähe des Gesichts (indem Sie Ihre Position verschieben oder die effektive Brennweite ändern, indem Sie ein längeres Objektiv mit optionalem Telekonverter verwenden), um verschiedene und interessante Studien der Tiere / Vögel zu erstellen, die Sie fotografieren. Dies wird Ihnen auch helfen, in abstrakteren Kompositionsarrangements zu denken. Das wichtigste dabei ist: Scharf stellen auf das Auge. Bei zwei Tieren auf das Auge des Tieres im Vordergrund. Schauen Sie sich als Beispiel die nachfolgenden  beiden Fotos  an. 

Fordern Sie sich aber auch heraus, in einem größeren Winkel zu fotografieren, um dem Betrachter eine bessere Vorstellung davon zu geben, wo Sie das Bild aufgenommen haben und wie Ihr Motiv in freier Wildbahn lebt. Dies gilt für alle Arten, die Sie fotografieren - vom Eichhörnchen über das Reh bis zum Elefanten.

Die migrierenden Gnus in der Masai Mara und die Zebraherde in Botswana wurden mit einem 24-70mm Objektiv fotografiert, um den Betrachtern ein Gefühl für die Umgebung zu vermitteln. 

Tipp

Variieren Sie - es gibt kein richtig oder falsch. Versuchen Sie mit dem Bild das auszudrücken, was sie zeigen wollen!

7. DIE PERSPEKTIVE / DER HINTERGRUND

 

Die Perspektive ist für die Aussagekraft eines Tierfotos fast alles. Wie Sie Ihr Motiv darstellen, kann einen riesigen Unterschied machen. Kurz gesagt - versuchen Sie, auf Augenhöhe mit ihrem Fotoobjekt zu kommen oder gar noch niedriger, wenn Sie können. Dies bringt den Betrachter Ihres Bildes direkt in die Szene und konfrontiert ihn sehr direkt mit dem abgebildeten Tier. Natürlich ist „Augenhöhe“ relativ (Sie befinden sich so gut wie immer in einer niedrigeren Perspektive als beispielsweise eine Giraffe), aber grundsätzlich lieber zu tief als von oben herab. Denken Sie immer an die Einschränkungen Ihrer Umgebung. In den meisten Tierreservaten in Südafrika dürfen Sie beispielsweise Ihr Fahrzeug nicht verlassen. Dies beschränkt Sie auf eine bestimmte Perspektive. 

 

Schauen Sie sich diese Bilder zur Veranschaulichung an. Der erste afrikanische Wildhund wurde aus einer etwas erhöhten Fahrzeugposition fotografiert. Das Ergebnis ist eine etwas langweilige Aufnahme - in meinen Augen nichts Besonderes. In der zweiten Aufnahme wurde aus einer tieferen Fahrzeugposition aufgenommen, durch welche sich die Tiere  auf Augenhöhe befanden - sofort wirkt das Bild deutlich lebendiger.  

Bei der Wildtier-Fotografie kommt das Tier nur bei richtigem Hintergrund voll zur Geltung. Dieser sollte ergänzend zum Tier sein und farblich und von der Form nicht störend oder ablenkend wirken. Ein Wildtierfoto verliert unglaublich an Wirkung, wenn im Hintergrund Stromleitungen, Autos, ein Zaun oder Ähnliches zu sehen sind.

Nehmen Sie sich also ein bisschen Zeit und achten Sie nicht nur auf das Tier, sondern auch auf den Hintergrund. Ändern Sie gegebenenfalls den Aufnahmestandort.

Mit den beiden Aufnahmen (Rotkappen-Rotkehlchen-Chat)  lässt sich gut zeigen, auf welche Punkte es an kommt.

Links: Der Vogel ist viel zu zentral, der Vorder- und Hintergrund lenkt stark vom Objekt ab.

Rechts: Hier befindet sich der Vogel im goldenen Schnitt mit Raum in Blickrichtung und schön vom Hintergrund frei gestellt.

 

TIPP

Versuchen Sie immer eine optimale oder sogar extreme Perspektive für Ihr Bild zu finden.

- Je nach Fotomotiv, lohnt es sich beim Fotografieren auf dem Boden zu knien oder gar zu liegen. Probieren Sie, vom tiefsten Punkt zu fotografieren.

- Wenn man mit dem Safari-Fahrzeug unterwegs ist, ist dies natürlich nicht gut umsetzbar. Hier können Bodensenken oder Vertiefungen genutzt werden um auf Augenhöhe mit dem Tier zu kommen.

8. JEDES TIER INS BESTE LICHT SETZEN

Lieber ein tolles Bild mit einem Chamäleon als eines mit einem langweiligen Löwen,  lieber einen farbenprächtigen fliegenden Vogel als eine Gruppe schlafender Affen.

 

Jeder Tourist möchte die „Big 5“ oder zumindest einen Löwen sehen. Doch grossartige Sichtungen - beispielsweise von  Löwen - liefern nicht immer fantastische Bilder. Wenn Sie jemals tagsüber Zeit mit wilden Löwen verbracht haben, wissen Sie, dass es sich tatsächlich um meist langweilige Fotomodelle handelt. Sie schlafen bis zu 20 Stunden pro Tag. Andererseits erlebte ich großartige Fotomöglichkeiten von Impalas, den häufigsten Huftieren die man im Busch des südlichen Afrikas antrifft. Mein Rat an  anspruchsvolle Fotografen ist, bei guten Lichtverhältnissen nach großartigen Möglichkeiten zu suchen, unabhängig von der Tierart!

 

Lernen Sie, das Potenzial des Alltäglichen zu erkennen, um erstaunliche fotografische Momente zu schaffen. Gehen Sie raus und machen Sie gute Bilder. Die offensichtliche Motivation ist ein Bild mit großartigem Inhalt bei großartiger Lichtaufnahme mit genau den richtigen Einstellungen - die Utopia-Aufnahme - zu machen. 

Tipp

Üben Sie zu Hause mit Haustieren, Vögeln, Insekten usw. bei verschiedenen Lichtsituationen und mit unterschiedlichen Kamera-Einstellungen. Versuchen Sie das Objekt ins Beste Licht zu setzen.

9. Geduld ist keine Tugend ... sie ist eine Notwendigkeit

Als Naturfotograf basieren Ihre Bilder auf der Tatsache, dass die Dinge in der Natur unvorhersehbar sind. Alles kann jederzeit passieren… aber die meisten Dinge passieren nur selten oder zumindest kaum zu der Zeit, zu der Sie sich an diesem bestimmten Ort befinden. Es ist daher unerlässlich, dass Sie geduldig werden ... sehr geduldig.  Es ist etwas, das man ständig üben muss. Im Wesentlichen ist es fast ein Höhepunkt vieler der Dinge, die wir bisher besprochen haben. Das Beobachten Ihrer Motive und das Kennenlernen ihrer Verhaltensmuster erfordert viel Geduld. Oft bedeutet dies, dass Sie tagelang an denselben Ort zurückkehren müssen, bevor etwas passiert… und selbst dann laufen Sie Gefahr, dass nichts passiert und Sie Ihre Zeit verschwendet haben. Das Bild unten wurde aus einem Tarnversteck aufgenommen. Erst am vierten Tag war ich erfolgreich, nachdem ich zuvor Stunden verbracht habe, in denen es weder etwas zu beobachten noch zu fotografieren gab. 

10. GENIESSEN SIE ES

 

Der letzte meiner Ratschläge ist: "Seien Sie  dabei" und geniessen Sie es !!

 

Damit meine ich nicht nur, dass Sie physisch zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein müssen - das gilt natürlich auch -, aber ich meine tatsächlich, dass Sie trotz Kamera und Fotografieren nicht vergessen, den Moment zu geniessen. Wir müssen uns des Privilegs bewusst sein, Zeit in der Natur zu verbringen und an Orten zu sein, an denen die Hand des Menschen noch nicht ihre volle Kraft entfaltet hat. Egal ob das für Sie nur der abgelegenste Ort in Ihrem örtlichen Park ist, an dem Sie sitzen und Eichhörnchen und Vögel beobachten und fotografieren können, oder sonst an einem wunderbaren Platz auf der Welt ist. Was hilft es uns, so viel Zeit mit diesem wunderbaren Hobby zu verbringen, wenn wir die verbrachte Zeit nicht geniessen?

 

Ich hoffe, diese Tipps werden Ihnen auf dem Feld zugute kommen. Mir helfen sie. Gutes Licht und gute Sichtungen euch allen.

Bonus Tipp

 

Wildtier-Fotografie ist immer mit großem Abenteuer und besonderen Emotionen verbunden. Vergessen Sie nicht, auch „Backstage Fotos“ Ihres Abenteuers zu machen. Solche Fotos ergänzen Ihre Tierbilder und lassen schöne Erinnerungen in Ihnen aufkommen.

© 2020 by Manfred Suter Photography

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